Was bedeutet "WhatsApp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen und seine Datenschutzrichtlinie"?

Facebook, Ginlo, Signal, Skype, Telegram, Threema und Wire: Wir haben uns Messenger-Apps mit Verschlüsselung daraufhin angeschaut, wie sie nach eigenen Angaben mit den Daten ihrer Nutzer umgehen. <br> <br>Das Wichtigste in Kürze: <br> <br>WhatsApp ist Platzhirsch unter den Messengern. Ab

WhatsApp aktualisiert seine Nutzungsbedingungen und die Datenschutzrichtlinie"?

Am 4. Januar 2021 hat WhatsApp seine Nutzungsbedingungen und Datenschutzrichtlinie geändert und bittet Nutzer um Zustimmung zu den Änderungen. Im Kern geht es um den Datenaustausch und die Verwendung von Nutzerdaten innerhalb des Facebook-Konzerns und für Unternehmen, die WhatsApp nutzen. Ursprünglich sollten WhatsApp-Nutzer den Änderungen bis zum 8. Februar zustimmen – danach wäre ohne Zustimmung der Account gesperrt worden. Das hat WhatsApp widerrufen und erklärt in seinem Unternehmensblog, neue Dienste (zu denen die Zustimmung nötig ist) erst am 15. Mai verfügbar zu machen. Dass der Messenger danach ohne Zustimmung nicht mehr wie gewohnt nutzbar sie, hat WhatsApp nun kurz vor dem Ultimatum gekippt. "Es werden aufgrund der Aktualisierung am 15. Mai weder Accounts gelöscht, noch die Funktionalität von WhatsApp eingeschränkt", erklären die Betreiber in diesem Hilfetext.

Ursprünglich sollten ohne Zustimmung zu den Änderungen ab 15. Mai nur noch Benachrichtigungen über neue Nachrichten kommen, aber kein Empfang und Versand von Nachrichten mehr möglich sein. Doch diesen Plan setzt das Facebook-Unternehmen nicht sofort um – vermutlich wegen eines Rechtsstreits mit der Hamburger Datenschutzbehörde. Dennoch kündigen die Betreiber für eine unbestimmte Zeit nach dem 15. Mai permanente Erinnerungen für alle an, die nicht zustimmen: "Sobald du eine permanente Erinnerung bekommst, wird deine Funktionalität von WhatsApp eingeschränkt, bis du die Änderungen akzeptierst. Das passiert nicht bei allen Benutzern gleichzeitig." Am 17. Mai konnten wir WhatsApp auf Testgeräten mit Android und iOS ohne Zustimmung noch weiterhin voll nutzen.

Hamburgs Datenschutzbehörde kritisiert unter anderem: "Mit den neuen Bedingungen werden die Befugnisse zur Datenverarbeitung formal erneuert und künftig inhaltlich erweitert. Das betrifft u.a. die Auswertung von Standortinformationen und die Weitergabe von Kommunikationsdaten der Nutzer von Unternehmen auf WhatsApp an Drittunternehmen." Für eine Verarbeitung der Daten durch Facebook fehle eine ausreichend rechtliche Grundlage.

Verbraucherzentrale Bundesverband klagt gegen WhatsApp

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat bereits Anfang 2017 wegen des Datenaustauschs Klage gegen WhatsApp eingereicht. Das Verfahren wird vor dem Landgericht Berlin unter dem Aktenzeichen 52 O 22/17 geführt. Momentan ruht das Verfahren, bis der Bundesgerichtshof in einem anderen Verfahren ein Urteil gesprochen hat.

Neben SMS und E-Mail gibt es auch andere Messenger-Apps als Alternative zu WhatsApp. Die Verbraucherzentralen empfehlen generell solche Messenger zu verwenden, die weder Nachrichteninhalte noch andere Daten ihrer Nutzer zu Werbezwecken verwenden oder an andere Unternehmen weitergeben.

 

Die vor allem bei Jugendlichen beliebte App Snapchat fällt damit schon raus, weil sie keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung anbietet. Nachrichteninhalte könnten somit also zum Beispiel vom Anbieter gelesen werden. Der Ende-zu-Ende-verschlüsselte Dienst iMessage ist wiederum nur für Apple-Geräte verfügbar.

Nicht berücksichtigt haben wir Aspekte neben den Datenschutzbestimmungen, zum Beispiel: Wie schnell ist die App und wie stabil sind die Server? Wie nutzerfreundlich ist die App im Detail gestaltet?

Wir haben uns beim Facebook-Messenger, bei GinloSignalSkypeTelegramThreemaWhatsApp und Wire angeschaut, was die Anbieter in ihren Datenschutzbestimmungen und auf ihren Internetseiten zum Hinterlassen von Datenspuren sagen (Stand Januar/Februar 2021

Anonym nutzbare Messenger

Bei der Frage nach einer anonymen Nutzung geht es an dieser Stelle nicht darum, ob Sie gegenüber anderen Nutzern anonym bleiben können, sondern ob das auch gegenüber dem Anbieter möglich ist. In unserem Vergleich ist Threema der einzige Messenger, der vollkommen ohne personenbezogene Angaben einsatzfähig ist.

 

Threema

Threema vergibt eine zufällig generierte ID, unter der Sie für andere angezeigt werden. Sie können auf Wunsch einen eigenen Namen angeben. Der Anbieter speichert nach eigener Angabe Ihre Telefonnummer und/oder E-Mail-Adresse nur auf Wunsch und jeweils verschlüsselt ("gehasht"), um das Auffinden und die Erkennbarkeit zu erleichtern. Außerdem können die Telefonnummern bzw. E-Mail-Adressen Ihrer Kontakte abgeglichen werden, um Freunde zu finden. Hierzu werden die Daten aus dem eigenen Adressbuch nicht dauerhaft gespeichert, sondern es erfolgt ein Abgleich über einen temporären Hash (eine Verschlüsselungs- bzw. Pseudonymisierungs-Technik). Threema bekommt das Adressbuch mit E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Freunden also nur anonymisiert und verspricht, sie zu keinem Zeitpunkt auf einen Datenträger zu schreiben und sofort wieder zu löschen.

Facebook-Messenger

Der Messenger setzt entweder ein Profil bei Facebook oder die Angabe einer Handynummer voraus. Andere Nutzer können Sie möglicherweise an Ihrem Namen erkennen – in seinen Nutzungsbedingungen hat Facebook die Angabe des echten Namens in Profilen verlangt. Das darf es nach einem Urteil des Kammergerichts Berlin seit Ende 2019 nicht mehr. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte unter anderem gegen die Klarnamenpflicht geklagt. Den Zugriff auf gespeicherte Handykontakte fordert der Messenger zwar an, er kann aber auch ohne diese Erlaubnis genutzt werden. Standardmäßig gibt es keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung der Chats. Für Unterhaltungen mit nur zwei Teilnehmern kann eine Verschlüsselung aktiviert werden. Für Gruppenchats steht diese Möglichkeit gar nicht zur Verfügung.

In seiner Datenschutzerklärung gibt Facebook an, dass "Inhalte, Kommunikationen und sonstige Informationen" erfasst werden. Dazu gehöre auch der Nachrichtenaustausch bzw. das Kommunizieren mit anderen. Die Informationen verwendet Facebook nach eigenen Angaben unter anderem für die Auswahl von Werbung, die auf die Nutzerinteressen ausgerichtet ist. Auch bei einer aktivierten Verschlüsselung im Einzelchat fallen so genannte Metadaten an, die ebenfalls zur Personalisierung genutzt werden können (z.B. wann Sie wie oft und wie lange mit wem chatten).

Signal

Wer Signal nutzen möchte, kommt um die Angabe der eigenen Telefonnummer nicht herum. Auch ein Nutzername wird verlangt – hier gibt sich der Messenger aber auch mit der Angabe eines Pseudonyms oder sogar einem Emoji zufrieden. Wer den Zugriff auf die Kontakte nicht erlaubt, muss die Telefonnummer des Empfängers per Hand eintippen. Alle Chats sind standardmäßig Ende-zu-Ende verschlüsselt. Der Anbieter der Verschlüsselungstechnik, Open Whisper Systems, stellt keine Datenschutzerklärung auf Deutsch zur Verfügung. Das Unternehmen sitzt in den USA. Das Verschwinden einzelner Nachrichten kann pro Chat in unterschiedlichen Zeitstufen aktiviert werden und wirkt sich dann auf alle künftigen Nachrichten dieses Chats aus.

 

Telegram

Telegram hat keine Datenschutzerklärung auf Deutsch. Neben der Notwendigkeit der Verknüpfung mit der Telefonnummer fordert die App die Angabe eines Vornamens. Ob die Angabe richtig ist, wird aber nicht überprüft. Ob andere Nutzer Ihre Telefonnummer sehen, können Sie einstellen. Die Funktion des Cloud-Chats mag zur geräteübergreifenden Nutzung praktisch sein, hierfür müssen aber sämtliche Chatinhalte verschlüsselt auf Servern gespeichert werden. Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bieten nur die "Secret-Chats", die aber extra ausgewählt werden müssen und die nicht für Gruppengespräche zur Verfügung stehen. Dazu kommt, dass Telefonnummern sowie Vor- und Nachnamen von Kontakten aus dem Adressbuch gespeichert werden, wenn die Kontaktsynchronisation genutzt wird. Ohne Zugriff auf das Adressbuch ist – anders als bei Android – bei iOS kein Start eines Chats möglich. Die Synchronisation kann an- und abgeschaltet werden und Kontakte können gelöscht werden. Bei Inaktivität von sechs Monaten werden die Nutzerdaten automatisch gelöscht. Der Zeitraum lässt sich in den Einstellungen ändern. Das Verschwinden einzelner Nachrichten kann nur in "Secret-Chats" mit unterschiedlichen Zeitstufen aktiviert werden und wirkt sich dann auf alle künftigen Nachrichten dieses Chats aus.



Wire

Wire lässt sich nicht ohne Angabe eines Namens und einer Handynummer oder E-Mail-Adresse nutzen. Da Wire übergreifend auf Smartphone und Rechner genutzt werden kann, werden Nachrichteninhalte verschlüsselt auf Servern zwischengespeichert, bis diese zugestellt sind. Die Kontakte synchronisiert der Messenger, indem er verschlüsselte Telefonnummern aus dem eigenen Kontaktbuch verwendet. Das ist jedoch freiwillig – auch ohne Zugriff aufs Adressbuch lässt sich Wire nutzen. In jedem Chat kann für einzelne Nachrichten separat die Selbstzerstörung in mehreren Zeitstufen gewählt werden.

Auf mögliche Drittanbieterdienste z.B. von YouTube oder Spotify wird ebenfalls in der Datenschutzerklärung hingewiesen. Für deren mögliche Datennutzung seien die jeweiligen Anbieter verantwortlich. Auf diese Features sollten Sie verzichten, wenn Sie nicht wollen, dass die Unternehmen möglicherweise Daten erhalten.

 

 

 

 


Kalle

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