Nach harten Verhandlungen: Abzug der Sowjettruppen aus der ČSFR vor 30 Jahren

Gekommen waren die sowjetischen Truppen 1968, um den "Prager Frühling" niederzuschießen. Geblieben sind sie 23 Jahre - erst 1991 verließ der letzte sowjetische Soldat die Tschechoslowakei.

Am 21. Juni 1991 verließen die letzten sowjetischen Soldaten die ČSSR. Drei Monate zuvor, am 27. April 1991, hatte der Kunststudent David Černý mit ein paar Helfern in einer Nacht-und-Nebel-Aktion einen Panzer mit rosa Farbe übertüncht. Der Panzer stand seit 1945 als Denkmal für die Befreiung Prags durch die Sowjetarmee auf dem Kinsky-Platz in der Hauptstadt. Für die Prager war das Monument seit 1968 allerdings eher eine stetige Erinnerung an die ungeliebten Besatzer.Die russische Regierung missbilligte die Umfärbung ihres Sieger-Gefährts. David Černý wurde verhaftet, kam aber nach Protesten in der Bevölkerung schnell wieder frei. Der rosarote Koloss wurde ins Militärmuseum in Lešany 40 Kilometer südlich von Prag gebracht. 2011 kehrte der "Pink Panzer" noch einmal in die Hauptstadt zurück - als Symbol der Befreiung und des erfolgreichen Widerstandes der kleinen Tschechoslowakei gegen den großen "Bruder" schwamm er auf der Moldau.

Der 21. Juni 1991 setzte den Schlusspunkt unter die tschechoslowakisch-sowjetischen Beziehungen der Nachkriegszeit. Denn an jenem Tag vor genau 30 Jahren wurde die letzte sowjetische Militärtechnik aus der Tschechoslowakei abtransportiert. Sechs Tage später verließ dann auch der letzte sowjetische Soldat das Land zwischen Erzgebirge und Hoher Tatra.

Ein weiteres Problem waren die enormen Umweltschäden. Viele Truppenstandorte würden erst nach aufwendiger ökologischer Sanierung wieder nutzbar sein. "Vor allem die Situation auf den Flugplätzen war grauenhaft", beschreibt Historiker Oliver Bange die Lage. "Die Kerosin-Zuleitungen haben alle geleckt und die Fässer, in denen das Kerosin aufbewahrt wurde, hatten mit der Zeit Löcher bekommen."

Zu einer Einigung kam es in beiden Fragen nicht: Weder bezahlten die Tschechen für die von der UdSSR errichteten Wohnungen, noch die Russen für die Sanierung der einstigen Kasernen. Jede Seite musste ihre Probleme selbst lösen. Der tschechische Staat schätzte die Kosten für die Beseitigung der Schäden auf sechs Milliarden Kronen, das sind umgerechnet mehr als 200 Millionen Euro.

Der General war dann auch der wirklich letzte sowjetische Militär, der die Tschechoslowakei am 27. Juni 1991 verließ. Mit ihm kehrten rund 73.500 Soldaten, fast 40.000 Familienangehörige, 1220 Panzer, 2500 Kampffahrzeuge und gepanzerte Transporter, 175 Hubschrauber, 103 Flugzeuge und fast 95.000 Tonnen an Munition in sein Land zurück.

 

 


Kalle

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